Herbert Kickl und die FPÖ verbergen ihre politischen Vorbilder kaum. Wer genau hinsieht, erkennt eine klare Richtung – weg von der liberalen Demokratie. Und trotzdem wächst der Zulauf.
Die vergangenen Jahre waren für nahezu alle Menschen eine Zumutung. Pandemie, Energiekrise, Krieg in Europa, Inflation, Klimafolgen – eine Erschütterung jagte die nächste. In solchen Zeiten der Polykrise suchen Menschen nach Halt, nach klaren Antworten, nach jemandem, der die Dinge beim Namen nennt. Dass sie diesen Halt ausgerechnet bei einer Partei suchen, die das Fundament der Demokratie selbst infrage stellt, ist das eigentliche Rätsel unserer Zeit.
Denn die FPÖ unter Herbert Kickl bietet für keine der realen Krisen tragfähige Konzepte. Was sie bietet, sind Feindbilder, Empörung und – besonders aufschlussreich – eine Reihe politischer Vorbilder, die zeigen, wohin die Reise gehen soll.
Die Vorbilder der FPÖ – und was sie bedeuten
- Viktor Orbáns „Illiberale Demokratie" als Wunschmodell
- Trump: ein Vorbild, das Kickl offen verehrt
- Putin – Freundschaftsvertrag trotz Angriffskrieg
Wenn Vorbilder scheitern – und es 35% nicht zu interessieren scheint
Was bei einem nüchternen Blick auf diese Vorbilder auffällt: Keines davon steht für gelöste Krisen oder gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ungarn kämpft trotz – oder wegen – Orbáns Machtkonzentration mit weitverbreiteter Korruption und einer Medienlandschaft, die kaum noch als unabhängig bezeichnet werden kann. In den USA hinterließ Trump eine zutiefst gespaltene Gesellschaft und beschädigte Institutionen, deren Vertrauen auf Jahre hinaus erschüttert ist. Und Russland hat sich durch Krieg und Repression endgültig aus der Gemeinschaft zivilisierter Staaten verabschiedet.
Das sind keine akademischen Warnungen. Das sind die messbaren Ergebnisse jener Politik, die die FPÖ als ihre Orientierungspunkte benennt. Und trotzdem werden diese Ergebnisse in der Wahlentscheidung offenbar kaum eingepreist.
Warum Fakten nicht ankommen
Die Entscheidung in der Wahlkabine wird so immer mehr zur emotionalen Entladung – und immer weniger zur Abwägung langfristiger Folgen für Demokratie, Institutionen und Wohlstand.
Die FPÖ benennt ihre Vorbilder. Sie versteckt nicht, wen sie bewundert, welche Systeme sie erstrebenswert findet und in welche Richtung Österreich gelenkt werden soll. Die Blaupause liegt offen auf dem Tisch.
Und genau hier bleibt eine Frage stehen, auf die es keine beruhigende Antwort gibt.
Was sagt es über den Zustand einer demokratischen Gesellschaft aus, wenn eine Partei, die offen auf autoritäre Systeme verweist, die keine der aktuellen Krisen lösen kann – und deren Vorbilder messbar gescheitert sind – dennoch mehr Zuspruch erhält als je zuvor?
🖊️ PapaChriLo
Einer muss was sagen, weil man nicht alles einfach so stehen lassen kann.