Die lautesten Prediger der Budgetdisziplin kommen in Österreich oft ausgerechnet aus jener politischen Ecke, deren eigene Bilanz besonders erklärungsbedürftig ist.

Es gibt in der österreichischen Politik ein Ritual, das zuverlässig funktioniert. Immer wenn Freiheitliche über Schulden reden, sprechen sie über „die anderen". Über die Bundesregierung. Über Brüssel. Über angebliche Verschwendung im System.

Was sie deutlich seltener tun, ist ein Blick in die eigene Geschichte.

Über viele Jahre galt Kärnten als das Bundesland mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung in Österreich. Der Grund dafür ist kein Geheimnis und auch keine linke Verschwörungstheorie. Der Grund heißt Jörg Haider.

Haider war von 1999 bis 2008 Landeshauptmann von Kärnten und setzte massiv auf die Expansion der Hypo Alpe-Adria-Bank. Das Land Kärnten stellte für diese Bank enorme Haftungen aus. Diese Haftungen beliefen sich zeitweise auf rund 20 bis 25 Milliarden Euro – ein Betrag, der ein Vielfaches des Kärntner Landesbudgets darstellte.

2007 wurde die Hypo zwar an die BayernLB verkauft. Der entscheidende Punkt wird dabei aber gerne übersehen. Die Bayern übernahmen die Bank. Die gigantischen Haftungen des Landes Kärnten blieben jedoch weitgehend beim Land.

Als die Bank in der Finanzkrise kollabierte, stand Kärnten plötzlich vor Verpflichtungen, die das Land niemals hätte stemmen können. Der österreichische Staat musste eingreifen, die Hypo wurde verstaatlicht und später abgewickelt. Die Folgen dieses politischen Abenteuers prägten die Kärntner Landesfinanzen über Jahre hinweg und teilweise noch heute.

Deshalb stand Kärnten lange Zeit an der Spitze der österreichischen Schuldenstatistik. Nicht wegen irgendeiner abstrakten „Systempolitik", sondern wegen sehr konkreter politischer Entscheidungen einer FPÖ-geführten Landesregierung.

Nun gibt es eine neue Statistik.

Laut den jüngsten Daten von Statistik Austria hat Steiermark mittlerweile Kärnten als Bundesland mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung abgelöst. Auch beim Finanzierungssaldo liegt die Steiermark im Bundesländervergleich im negativen Spitzenfeld.

Dabei hat das Land sein Defizit von 811 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 727 Millionen Euro im Jahr 2025 reduziert. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Steiermark im Ranking der Bundesländer derzeit den letzten Platz einnimmt.

Politisch interessant wird diese Statistik durch einen einfachen Umstand: Seit Ende 2024 wird die Steiermark von einer blau-schwarzen Koalition regiert. Landeshauptmann ist Mario Kunasek (FPÖ).

Man muss daraus keine Verschwörungstheorie basteln. Staatsschulden entstehen nicht über Nacht und auch nicht durch eine einzige Regierung. Landesbudgets sind langfristige Konstruktionen mit Verpflichtungen aus vielen Jahren.

Trotzdem entsteht eine gewisse Ironie. Jahrelang war Kärnten das Symbol für ein freiheitliches Finanzdesaster, ausgelöst durch ein riskantes politisches Experiment rund um eine Bank, deren Haftungen das Land fast in den Ruin getrieben hätten.

Heute zeigt die Statistik ein anderes Bundesland am Ende der Tabelle. Auch dort steht ein freiheitlicher Landeshauptmann an der Spitze der Regierung.

Man könnte das als Zufall betrachten. Man könnte aber auch zu einer viel unangenehmeren Erkenntnis kommen: Die lautesten Predigten über Budgetdisziplin kommen in Österreich erstaunlich oft von politischen Akteuren, deren eigene finanzpolitische Bilanz später eher als Warnhinweis in Statistikbüchern auftaucht.

🖊️ PapaChriLo

Einer muss was sagen, weil man nicht alles einfach so stehen lassen kann.